Die Musikindustrie erlebt dramatische rechtliche Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit dem Training generativer KI-Modelle. Nachdem der US-Musikverband RIAA im Namen der führenden Major-Labels Universal Music Group, Sony Music und Warner Music die KI-Startups Suno und Udio im Jahr 2024 wegen massiver Urheberrechtsverletzungen verklagte, zeigen sich nun deutliche Risse in den Verhandlungsstrategien der beteiligten Akteure.
Universal Music geeinigte sich mit Udio auf einen Vergleich, während Warner Music umfassende Lizenzverträge sowohl mit Udio als auch mit Suno unterzeichnete. Beide KI-Plattformen haben sich im Gegenzug verpflichtet, ihre technischen Angebote künftig ausschließlich auf Basis offiziell lizenzierter KI-Modelle zu betreiben und den Rechteinhabern Vergütungen zukommen zu lassen.
Einen völlig unnachgiebigen Kurs verfolgt hingegen Sony Music vor US-Gerichten. Sony lehnte sämtliche Vergleichsangebote ab und fordert den gesetzlichen Höchstschadensersatz von bis zu 150.000 US-Dollar pro lizenziertem Werk. Durch die Ausweitung der Klageschrift auf mehr als 60.000 Einzeltitel stieg das theoretische Schadensersatzrisiko für die Plattform Suno auf mehrere Milliarden US-Dollar an.
Zusätzlicher Druck entsteht nun auch von Seiten der ausübenden Künstlerinnen und Künstler. Die Musiker-Gewerkschaft American Federation of Musicians reichte ihrerseits Klage gegen Universal und Warner ein. Der Vorwurf lautet, dass die Major-Labels Einnahmen und Einzahlungen aus den KI-Lizenzdeals kassiert haben, ohne die Studiomusiker vertragsgemäß an diesen Erlösen zu beteiligen.
Diese parallelen Rechtsstreitigkeiten verdeutlichen den enormen Wandel der Musikbranche. Das traditionelle Lizenzgeschäft muss völlig neu verhandelt werden, um den Herausforderungen durch KI-generierte Musik gerecht zu werden und faire Vergütungsmodelle für alle Beteiligten zu etablieren.

