Künstliche Intelligenz hat sich im internationalen Profisport von einem experimentellen Assistenzsystem zu einer tragenden Säule bei Schiedsrichterentscheidungen entwickelt. Bei der kommenden FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026 wird eine deutlich weiterentwickelte Version der halbautomatischen Abseitstechnologie eingesetzt. Die Grundlage dafür bilden vorab gescannte 3D-Körperscans aller teilnehmenden Spieler. Diese ermöglichen es den KI-Systemen, selbst bei extrem schnellen Spielsituationen oder Verdeckungen im Strafraum stets den Überblick zu behalten.
Das System verfolgt während des Spielbetriebs exakt 29 Körperpunkte jedes Akteurs in Echtzeit. Dadurch können knappe Abseitsentscheidungen innerhalb weniger Sekunden präzise berechnet und visualisiert werden. Eine Schlüsselrolle spielt hierbei auch der offizielle WM-Spielball mit dem Namen TRIONDA. Im Inneren des Balls befindet sich ein integrierter 500-Hz-Bewegungssensor, der genau 500-mal pro Sekunde Daten an den Video-Assistenten übermittelt. Die KI verknüpft diese Sensorwerte direkt mit dem optischen Tracking, um den exakten Zeitpunkt der Ballabgabe objektiv festzulegen.
Auch außerhalb des Fußballs schreitet die Automatisierung von Regelentscheidungen unaufhaltsam voran. Im Tennissport hat das automatische Live Electronic Line Calling das traditionelle menschliche Linienrichterpersonal auf der ATP-Tour flächendeckend abgelöst. Nachdem die US Open und die Australian Open diesen Schritt bereits vollzogen hatten, zog im Jahr 2025 auch Wimbledon nach und setzt die Technologie nun auf sämtlichen Plätzen ein. Insgesamt 18 Kameras pro Court erfassen in Kombination mit optischer KI-Verarbeitung die Balllandepunkte und rufen Aus-Entscheidungen in Bruchteilen einer Sekunde ab.
In den großen US-Profiligen finden vergleichbare technologische Umbrüche statt. Die Major League Baseball führte das sogenannte Automated Ball-Strike Challenge System ein, bei dem ein KI-gestütztes Kamerasystem über Strike oder Ball entscheidet und Teams sekundenschnelle Video-Challenges ermöglicht. In der NBA analysieren Systeme wie Court iQ hochaufgelöste Flugbahnen, um regelwidriges Goaltending automatisch zu erkennen. Zudem unterstützen Multikamera-Feeds die Schiedsrichter bei der automatisierten Foulerkennung während des laufenden Spiels.
Um strittige Szenen auch für die Zuschauer im Stadion und vor den Bildschirmen transparenter zu machen, setzen Verbände auf neuartige Kameraperspektiven. Bei Turnieren der FIFA tragen Schiedsrichter spezielle Brust- oder Kopfkameras für First-Person Broadcasts. Eine KI-Software von Lenovo verarbeitet diese Videostreams direkt vor Ort und glättet störende Wackelbewegungen sowie Unschärfen in Echtzeit. Dadurch erhalten Fans einen flüssigen und unverfälschten Live-Einblick direkt aus der Sicht des Unparteiischen.

